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Impressionen vom "Trassi"-Grundlehrgang

  • Bernd Brückmann

Bericht zum Trainerassistenz Grundlehrgang

Sebastian Riebold, einer der Teilnehmer beim ersten Trainerassistenz Grundlehrgang, verfasste einen humorvollen und beschwingten Bericht.

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Impressionen vom Trassi-Grundlehrgang von Sebastian Riebold

Unter „Amalgamierung" oder auch „Kontamination" versteht die allgemeine Sprachwissenschaft die Zusammenziehung zweier Wörter zu einem inhaltlich neuen Begriff. Bei „Trassi" (ausführlich: Trainerassistent) handelt es sich um eine derartige Wortneuschöpfung, deren Produkte üblicherweise als „Kofferwörter" (oder bildungsdeutsch als Portemanteau-Wörter) bekannt sind.
Andernorts bereits seit längerer Zeit fester Bestandteil des Trainerwerdegangs, ist die Badminton-Trainerassistenzausbildung am 18. Mai nun zum ersten mal in Hessen angelaufen und der erste Schwung lerneifriger Zöglinge hat sich in die kompetenten Hände von Jan-Christian „Aufwärmspielejunkie" Theobald, seines Zeichens Stützpunkttrainer des HBV in Kassel, begeben. Nicht nur ein begnadeter Spieler und Trainer, übt sich Jan auch gerne impromptu im Drechseln einprägsamer Phrasen (von denen der vorliegende Erfahrungsbericht einige Exemplare enthält), die in der Regel nicht nur unterhalten, sondern denen ein gewisser didaktischer Wert durchaus nicht abgeht. Unmittelbar merkt man unserem Ausbilder an, dass er mit Spaß bei der Sache ist; ganz im Gegenteil ist es eher so, dass wir ihn gelegentlich bremsen müssen, wenn es uns etwas zu schnell gegangen ist.
Mangelnde Motivation kann man im übrigen auch den acht Teilnehmern kaum unterstellen, immerhin hatten es einige so eilig zum Lehrgang zu erscheinen, dass sie darob glatt ihr Sportzeug vergaßen.

Tag 1: Samstag, 18. Mai, 10:00 Uhr (kann auch ein Ticken später gewesen sein)

Was sind die Aufgaben eines Trainerassistenten? Was unterscheidet sie oder ihn von einem Übungsleiter? Wie gestaltet sich das Ausbildungsprogramm? Kurz gesagt, der Trassi ist, was dem Professor der Tutor oder dem Lehrer der Referendar: Er unterstützt, ist aber nicht eigentlich für die Trainingsinhalte verantwortlich. Die Ausbildung wird sich somit auf die Grundlagenvermittlung beschränken: Basisschläge, Grundzüge der Laufarbeit und natürlich jeweils die entsprechenden didaktischen Kernpunkte. Das Entscheidende ist, dass Trainer und Trainerassistenten Fehlerbilder nicht nur erkennen können und auf diese aufmerksam machen, sondern auch über geeignete und vielfältige Mittel verfügen, den korrekten Bewegungsablauf zu vermitteln. Unspezifische Anweisungen an die Übenden sind da wenig hilfreich. Oder, wie es Jan auf seine bezeichnende, unverblümte Art untermalte: „Wenn ich höre, wie einer 'Schläger hoch!' durch die Halle brüllt, könnte ich davon glatt Plaque kriegen."

Damit ist der theoretische Teil des Wochenendes auch schon beendet. Wir beginnen mit einem kurzen Spiel zum Aufwärmen (eigenen Angaben zufolge Jans besonderes Faible); einer Variante von Ultimate-Frisbee. Als sinnvolle Ergänzung zum allzu oft stiefmütterlich behandeltem Aufwärmprogramm empfiehlt uns Jan zudem verschiedene Übungen zur Rumpfstabilisierung (Muskelgruppen, die wir nächste Zeit noch zu spüren bekommen sollen) – auf die, ganz nebenbei bemerkt, auch die deutsche Nationalmannschaft schwört.
Dann heißt es auch schon Schläger geschnappt und auf die Felder. Lektion 1: Racket-Speed; flach-scharfe Bälle zunächst nur über die Vorhandseite und ohne Netz. „Aufpassen, dass die Schokoladenseite nicht nach vorne wandert," erschallt es des Öfteren. Ferner sei zu beachten: Nach jeder Aktion wieder parallel zum Netz stehen; mehr Gewicht auf dem Fußballen als auf der Ferse; Oberkörper aufrecht, den Nicht-Schlagarm nicht hängen lassen; kurze Ausschwungphase. Das Wort aber, was sich wohl jeder Teilnehmer gemerkt hat, lautet „Tiefenentlastung": Ein tiefer Körperschwerpunkt und vorgespannte Beine gewährleisten die ständige Aktionsbereitschaft des Körpers. Bequem ist das nicht gerade, weshalb wir die kommenden zwei Tage auch noch mehrmals darauf hingewiesen werden.

Am ersten Tag stehen zudem die Aufschläge im Einzel- und Doppel, sowie die Überkopfschläge aus dem Hinterfeld auf dem Programm, wobei wir Drop und Smash auf den folgenden Tag verschieben.
Was die drei Letztgenannten angeht, mag jeder Badmintonspielerin und jedem Badmintonspieler ein Sportler ganz besonders zum Vorbild gereichen, wie wir erfahren. Lin Dan? Peter Gade? Taufik Hidayat? Doch besagtes Musterbeispiel hat sich in einer ganz anderen sportlichen Disziplin hervorgetan (und spielt meines Wissens nach gar kein Federball): Usain Bolt. Denn die charakteristische Siegerpose des Sprinters erinnert tatsächlich an die Ballerwartungshaltung („Null") bei Clear, Drop und Smash.
Am Beispiel des Clears lernen wir außerdem, dem Übenden den richtigen Bewegungsablauf am eigenen Körper erfahren zu lassen, indem dessen Schlagarm den Bewegungsablauf hindurch aktiv geführt wird. „Kinästhetisches Empfinden" lautet der zugehörige Fachbegriff. Die Idee ist, dass der Körper die Bewegung direkt spürt und nicht den Umweg über die visuelle Perzeption und die Imitation gehen muss. Durchaus schwieriger, als es anfangs aussieht, doch in jedem Fall eine neue und interessante Erfahrung.
Alte Muster aber, lassen sich nicht so leicht durchbrechen. Und so übersieht unser Ausbilder geflissentlich, wie beim anschließenden freien Spiel die eintrainierten Fehlerbilder wieder gehäuft in Erscheinung treten.

Tag 2: Sonntag, 19. Mai, 8:00 Uhr

Ich selbst zähle mich tendenziell unter die Frühaufsteher – zumindest bin ich ein großer Bewunderer des Konzepts. Aber um 8:00 Uhr an einem Sonntagmorgen spielbereit in der Halle zu stehen ist nun wirklich hart an der Grenze. Doch so hatten wir es, noch dazu einstimmig, eben am Tag zuvor vereinbart.
Irgendjemand hatte den Fehler begangen und zugegeben, dass ihm „Formel-1" kein Begriff sei, weshalb ein zusätzlicher Tagesordnungspunkt von Ausbilderseite bereits gestern beschlossen worden war. Hinter besagtem Namen steckt eine Art Zirkeltraining, aber im Wettkampfmodus, d. h. in einer vorgegeben Zeit soll der Übungsparcours so häufig wie möglich absolviert werden. Wir machen lediglich fünf Durchgänge à 90 Sekunden (mit jeweils 90 Sekunden Pause). Doch selbst Jan muss zugeben, dass sich die Geschichte eher weniger als Aufwärmspiel eignet. In jedem Fall haben wir uns die Kaffeepause um zehn Uhr dann redlich verdient.
Heute geht es vor allem um Laufwege, sowie den Unterhand-Clear. Trocken klappt die mustergültige Schlagproduktion ja bisweilen ganz gut, doch je mehr Bewegungen (zum Beispiel durch Laufwege) dazu kommen, desto mehr Fehlerquellen ergeben sich auch. „Luxusschleife" ist in diesem Zusammenhang das Schlagwort. Für den angehenden Trassi bedeutete dies, Bewegungen, die nicht zielführend sind (z. B. um einen Ball zu erlaufen oder zu platzieren), bei anderen zu erkennen und selbst während der Demonstration zu vermeiden.
Hierin besteht, wie bereits geschildert, die grundsätzliche Herausforderung an die Teilnehmer, nämlich einerseits Bewegungsabläufe zu lernen und andererseits zu lernen, diese zu vermitteln. Und auch wenn die praktischen Übungen – in beiden Rollen; des Lernenden sowie des Lehrenden – das Wochenende über in keiner Weise zu kurz gekommen sind, ist es nun an uns, das Gelernte in den nächsten Wochen zu wiederholen und zu vertiefen, bis wir uns zum Aufbaulehrgang im Juli wieder in Nordhessen einfinden.

trassi

 

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